Die väterlichen Vorfahren von Außenminister John Kerry
(C) Copyright by Felix Gundacker, 2004-2013  Stand: 2. Februar 2013


Allgemeines

Als ich im Jänner 2003 vom Boston Globe den Auftrag erhielt zu überprüfen, ob Friedrich Kohn tatsächlich in Bennisch jüdisch zur Welt kam und später konvertierte, konnte ich den Umfang der Forschungen noch gar nicht richtig einschätzen. Was als ganz normale Arbeit begann, entwickelte sich im Laufe der Zeit zu meiner spannendsten Genealogie der letzten Jahre. Nicht nur, weil es sich hier um die Vorfahren eines amerikanischen Präsidentschaftskandidaten handelt, sondern auch, weil der Aufstieg in der früheren Monarchie zu einer angesehenen und sehr erfolgreichen Großfamilie jäh durch Antisemitismus, Nazis und Holocaust unterbrochen wurde. Die dadurch entstandene Lücke zu erkennen, sie zu sehen und zu fühlen, war der schmerzhafte Teil dieser Forschung.

In der Zwischenzeit ist viel in den Medien berichtet worden - leider auch viel Falsches. So zB, daß Bennisch ein kleines Dorf in Schlesien war (immerhin eine Stadt, mit ca. 4.200 Einwohnern 1880), oder dem Eintrag der Geburt von Fritz in der Ortschronik von Bennisch (in Wahrheit im katholischen Taufbuch), oder Fritz Kohn sei ein Schuster gewesen (tatsächlich war er Gesellschafter und Prokurist einer großen Schuhfabrik). Und einem Nachrichtenmagazin war auch das noch nicht zu viel und wollte von mir doch tatsächlich wissen, ob es in der Familie auch Nazi gegeben habe. Die guten Sitten vergessender Journalismus, einfach nur unvorstellbare Dummheit, oder doch plumper primitiver Antisemitismus?
Den Vogel schoss allerdings eine Zeitung ab, die die Vorfahren von John Kerry als Sudetendeutsche sehen wollte. Tatsache ist, dass praktisch alle der 4.200 Einwohner von Bennisch deutsch sprachen (bis auf 3, die tschechisch als ihre Muttersprache angaben). Aber kein Jude Mährens oder Österreichisch Schlesiens hätte sich je als Deutscher oder  Sudetendeutscher (eine Bezeichnung, die leider oft missbraucht wird) bezeichnet! Sie alle fühlten sich und waren Mährer, Schlesier und vor allem Österreicher. Damit ist natürlich nicht das heutige Österreich gemeint, sondern das alte der Österreichischen Monarchie. Und natürlich sprachen sie nicht yiddisch, sondern Deutsch: die Amtssprache Österreichs, Mährens und Schlesiens (was außerdem durch die Volkszählung in Bennisch 1880 bewiesen werden konnte).

Auf den folgenden Seiten findet der Leser nun eine Zusammenstellung der wichtigsten Daten und Fakten. Natürlich gibt es - wie bei jeder Genealogie - auch hier keinen Anspruch auf Vollständigkeit, und einiges kann und soll hier auch aufgrund des Datenschutzes und des Rechts auf Privatsphäre nicht erwähnt werden.

Danksagung

Bei vielen Menschen und Institutionen, die mir bei der Erstellung dieser Genealogie geholfen haben, möchte ich mich herzlich bedanken. Im besonderen möchte ich erwähnen:
-    Michael Kranish vom Boston Globe, der mit Weitsicht sich bald für die Genealogie und das Leben von Senator John Kerry interessiert hat
-    Frau Heidrun Weiss von der Israelitischen Kultusgemeinde Wien für den - wie schon so oft - unkomplizierten Zugang zu den Matriken
-    Herr Diplomingenieur Georg Gaugusch mit seinem hervorragenden Wissen über jüdische Familien in der Monarchie
-    die Wiener Magistratsabteilung MA61 (heute MA35) für ihre äußerst unbürokratische Hilfestellung
-    das katholische Pfarramt St. Othmar in Mödling
-    die Wiener Stadtbibliothek
-    das Österreichische Staatsarchiv in Wien
-    das DÖW für seine exzellente Internetseite und Datenbank und umgehende Hilfe bei der Beschaffung der Deportationslisten
-    das Ungarische Staatsarchiv in Budapest
-    das Mährische Staatsarchiv in Troppau (Zemsky Archiv v Opave)
-    das Mährische Staatsarchiv in Brünn (Zemsky Archiv v Brno)
-    das Stadtarchiv in Brünn (Archiv Mesta Brna)
-    das Staatsarchiv in Prag (Statni Ustredni Archiv, Prag)
-    das Gebietsarchiv in Freudental
und all jene, die in vielen Stunden mir wertvolle Informationen zur Verfügung gestellt haben, aber aus verschiedenen Gründen hier nicht namentlich genannt werden wollen, obwohl sie eigentlich an erster Stelle gereiht werden sollten.

Felix Gundacker, im März 2004


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